Arapiles
Servus Leute,
bin grade aus meinem wohlverdienten Nachhol-Schlaf erwach. Nach 4 Nächten Camping auf 5mm Isomatte ohne Dusche hatte ich mir das auch verdient. Aber eins nach dem anderen: Am Donnerstag um halb Acht gings endlich los, raus aus Melbourne und rein ins Hinterland. Mit nem Ess- und nem Tankstopp kamen wir um halb eins auf dem Pines Camground des Mount Arapiles State Park an. Zuvor war ich mit vollem Marschgepäck noch in der Uni gewesen und hab brav mein Tutorium verfolgt auch wenn ich die VL ausfallen lassen musste
Am nächsten morgen hab ich mir erstmal den Arsch abgefroren, denn sternenklarer Himmel hat thermische Nachteile… Alle hatten Wollmützen an, nur ich hab meine natürlich nicht eingepackt. Wir hatten über die ganze Zeit gutes Wetter, abgesehn von einigen Schauern Sonntag abend und Montag Nachmittag (zu Letzterem später mehr). Der Campingplatz war dank Oster-Feiertagen rappel-voll und wimmelte nur so vor Studenten und Kletterern. Das ganze liegt direkt am Fuß wunderschöner Kletterrouten (über 3.000 in dem Gebiet) und ist daher die primär Unterkunft für alle Kletterverrückten. Gibt nur nicht-trinkbares Wasser, zwar Toiletten mit Spülung aber keine Duschen. Und das alles als internationaler Student der nur 32kg mit ins Flugzeug nehmen durfte. Entsprechend besser waren alle anderen ausgestattet…
Mit am Start waren unter anderem ziemlich viele coole Leute. Studenten, nicht-mehr Studenten und noch-nie-gewesen-Studenten in allen Altersklassen von 20 bis 35. Die Nationalitäten waren auch sehr Bund gemischt: 4 Deutsche, 2 Kenianerinnen, 1 Amerikaner, 1 Kubaner, 1 Russin, 1 gebürtiger Pole jetzt Aussie und natürlich ne ganze Menge “eingeborener” Australier (hui das ist ein gefühlricher Ausdruck).
3 Tage lang waren wir am Toprope unterwegs, wozu man allerdings immer mal wieder paar Minuten mit dem Auto fahren musste, da die guten Routen dafür natürlich nciht geeignet sind und man sich ein paar kleinere Brocken aussuchen muss. Und zunächst sei mal gesagt: Der Unterschied zwischen Indoor und Outdoor Klettern ist sooooo riesig… das ist was komplett Anderes. Man kann nicht sehn wo die Griffe sind, wie die Route verläuft und muss einfach mit dem arbeiten was die Natur hingestellt hat. Im Gegensatz zur Halle ist es draussen auch eher so, dass man aufhört zu Klettern wenn man vor Schmerz in den Fingerkuppen die Griffe nicht mehr halten kann weil der Fels einfach so rauh ist. Man gewöhnt sich aber recht schnell dran, denn nach dem ersten Tag war das nicht mehr soo wild. Dafür fühlen sich meine Finger grade beim Tippen wie abgeschmirgelt an.
Gestern dann der Höhepunkt: 105m Grad 10 Route über 4 Seillängen. Juan, einer der erfahrenen Vorsteiger, hat Alex (27, Singapur, Industrial Design) und mich mitgenommen auf diese Tour. Der Plan war zunächst eine Grad 12 Route, aber ich bin ganz froh dass wir es bei 10 belassen haben, denn das ist richtiges Klettern. Und da liegen nochmal Welten zwischen dem und Toprope und ganze Galaxien zum Hallenklettern. Wenn man einfach 75m statt 5m über dem Boden auf ner 10 hängt wirds einem schon ganz anders. Es hat durchaus Überwindung gekostet vom Sicherungsplatz zurück auf die Route zu gehn. Man wird dann immer nach geschafftem Abschnitt mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Aber als wäre all das noch nicht aufregend genug gewesen, zog vor der letzten Seillänge ien Gewitter auf. Juan kam noch trocken oben an und konnte die Sicherung einrichten. Ich bin hinterher und wurde auf den letzten 2-3m schon gut nass und der arme Alex musste die ganze Länge im strömenden Regen machen. Haben uns dann in ner kleinen Höhle am Gipfel versteckt, die allerdings durch ungünstige Windexposition nicht wirklich trocken war. Wir mussten dann noch abseilen, dazu den Gipfel überqueren, ein Stück runterklettern und uns dann über die Kante stürzen. Kurzer Schock-Moment war, als Juan meinte das Seil könnte evtl zu kurz sein. Aber wir hatten keine Wahl und er ging als erster runter und schaute wie weit wir kommen würden. Glücklicherweise reichte das Seil bis zum Boden (sehr knapp allerdings) und ich seilte mich zum ersten mal 50m im wieder strömenden Regen in den Abgrund ab. Nachdem wir alle wohlbehalten gelandet waren kam unmittelbar die Sonne raus und schien seitlich in die Schlucht. Wie ausm Drehbuch… herrlich! Ich kanns nur jedem empfehlen. Eine verdammt geile Erfahrung (den Regen und das Gewitter kann man optional auch weglassen).
Schaut euch die Bilder an, von unserem Abenteuer am letzten Tag gibts leider keine Bilder von mir, da die Batterie der Kamera am Ende war (und Strom gabs natürlich nicht). Aber sobald ich die von Alex bekommen hab reiche ich sie natürlich nach! Es gibt auch noch Videomaterial, was dann entsprechend auch noch folgen wird. Ich hab glaub ich immernoch Adrenalin im Blut und muss noch en bissl runterkommen. Auch wenn die 4 Stunden Autofahrt nach Haus gestern schon recht ermüdend waren
Auf dem Hinweg war ich mit Eva unterwegs, eine deutsche Doktorrandin die seit 4 Jahren hier in Melbourne lebt und nen australischen Freund hat der beim Anstoßen (nach genügend vorhergehendem Genuss) gerne mal “Stösschen” sagt. Rückweg hab ich dann nachdem ich einen total verlassenen Campingplatz vorgefunden hab (unsere Kletterei hat natürlich ein wenig länger gedauert
) mit Gab (Aussie, Radiographer) mit Gab verbracht. War ziemlich cool, da es noch massive Gewitter am Horizont gab und dazu laut Musik gehört haben. Zuhause war ich dann mit Sack und Pack kurz vor Mitternacht. Super schöner Trip. Ich weiß wieder warum ich in Australien bin!

Cheers
Marian










März 25th, 2008 at 10:59 am
Sehr schöne Bilder, sicher ein wunderschönes Abenteuer, sieht aber für mich auch sehr gefährlich aus. Bin froh, dass Du wieder heil in Melbourne bist. Interessante Landschaft, weite Ebene und dann diese Felsen…beeindruckend!
Es grüßt Dich aus der kalten, winterlichen Heimat,
Conny
März 25th, 2008 at 12:26 pm
Also net schlecht.
Hut ab, junge.
Sieht echt klasse aus.
Wie du unten schon lesen kannst, ist es bei uns auch ganz toll
Hoffe das du noch viele solcher geilen erlebnisse haben wirst.
Gruß
G
März 26th, 2008 at 1:35 pm
schööööööööööööööööööööööön!!!!
echt geile bilder!
sieht nach jeder menge spaß aus. repekt!
ich nehme an um dich mal widda auf nem bild zu sehn, muss ich auf fabians blog gehen?!
was is das denn für ein tolles tier, das da gegrillt wurde? kanns net so gut erkennen…
gruß,
paddy
März 26th, 2008 at 2:11 pm
Das ist ein Schwein… bzw Spanferkel
Man sollte die Bilder aber anklicken können und dann werden die größer.
März 27th, 2008 at 4:14 pm
[...] wars, alle 196 Fotos könnt Ihr euch dann bei Flickr anschauen. Marian hat das ganze auch noch mal in Worte gefasst und Fotos gemacht (da gibts noch mal nen paar mehr [...]
März 28th, 2008 at 12:07 pm
BENEIDENSWERT. Das nenne ich mal richtig gut studieren
Mehr kann man dazu nicht sagen.
Die Bilder sind echt klasse geworden.
Viele Grüße,
Schindi
März 31st, 2008 at 3:59 pm
ja ich weis.. mim H3rzi kann man net campen… aber ich muss ehrlich zu geben das ich verdammt gerne auch da gewesen wäre wenn ich das sehe.
Freut mich das du so ne schöne Zeit hast. Genieß es! und komm dann wieder zurück….